INTERVIEW

Über Selvarajan Yesudian  Ein Interview mit Susy Heim  von Kim Kasandra Schmid

über selvarajan yesudian

 

 Interview mit Susy Heim

 von Kim Kasandra Schmid


 

Zeit für neue Begegnungen

 

Es gibt Zeiten, wo alles still zu stehen scheint ... In Zeiten, wenn unser gewohntes Leben abgebremst wird, wo Menschen sich nicht mehr begegnen können oder nur aus Distanz, in Zeiten, in denen es ziemlich still wird um Dich und mich herum – das sind unter Umständen Zeiten, in denen etwas Neues gesät wird, damit es Wurzeln fassen und wachsen kann.

 

Aus einem ersten, kurzen, schriftlichen Kontakt entstand über mehrere Wochen hinweg eine Begegnung mit Kim Kassandra Schmid, die im Saarland zusammen mit ihrem Mann die Yogaschule "Yogimobil" führt. In mehreren Gesprächen fand ein erstes Kennenlernen statt und es formte sich der Wunsch nach einem Seminar, das ich bei Yogimobil durchführen werde und bei dem ich über Yoga, wie ich es bei Selvarajan Yesudian und Elisabeth Haich kennen lernte, spreche und "Yesudian-Yoga" mit den Teilnehmern praktiziere. Diese Einladung nahm ich sehr gerne an und so werde ich im Oktober dieses Jahres in Riegelsberg sein.

 

Kim frage mich, ob ich bereit wäre, in einem Interview ein paar Fragen zu beantworten und über Yesudian und die ursprüngliche Form, wie er Yoga unterrichtet hat, zu sprechen. Dieses Gespräch gebe ich Euch nun weiter mit bestem Dank an Kim für die Anregung und die Ausarbeitung der Fragen.


Kim Kasandra Schmid "Yesudian-Yoga"

 

Ich erinnere mich gut daran, dass mir vor vielen Jahren in einer Fortbildung, die ich besuchte der Begriff     „Yesudian-Yoga“ begegnete. Der spezielle Stundenaufbau wurde kurz erwähnt und ich war begeistert. Besonders begeistert mich der gezielte Einsatz von Affirmationen und die Sanftheit seiner Methode, die trotzdem eine so tiefgehende und wohltuende Wirkung hat.

Umso mehr habe ich mich darauf gefreut mit der Frau zu sprechen, die die Tradition am Leben hält. Ich freue mich von Herzen, diesen so wertvollen Austausch in Form eines Interviews mit euch zu teilen. Susy Heim und ihr Mann Rolf Heim sind die einzigen autorisierten Nachfolger von Selvarajan Yesudian. Mehr über die Besonderheiten dieser Übungsmethode, wie eine klassische Yesudian Yoga Stunde aufgebaut ist, warum Yesudian nie ein Guru sein wollte und wann du mit Susy live bei Yogimobil praktizieren kannst erfährst du in diesem Artikel.

Über Selvarajan Yesudian - Ein Interview mit Susy Heim

Kim: Liebe Susy, du und dein Mann Rolf Heim habt nicht nur über 25 Jahre den Yoga Unterricht von Selvarajan Yesudian und Elisabeth Haich besucht, ihr wart auch mit ihnen befreundet. Wie hast du diese beiden aussergewöhnlichen Menschen als Personen erlebt und in Erinnerung?

 

Susy: Ja, Kim, das ist so. Während mehr als 25 Jahren waren Selvarajan Yesudian und Elisabeth Haich unsere Lehrer und Freunde. Was bedeuten diese Worte? Was ist ein "Lehrer", was ist ein "Freund"?

Ein Lehrer ist jemand, der Dich etwas lehrt, ein Freund ist jemand, der Dir nahesteht, mit dem Du eine seelische Verbindung hast. Beides trifft auf diese zwei Menschen zu. Du möchtest wissen, "wie sie so waren" – als Lehrer und als Freunde.

Lass uns dazu ein paar Gedanken machen über "Lehrer".

 

Alles, was uns Gott näherbringt, was uns unserem wahren Wesen, unserem Selbst nahebringt, kann unser Lehrer sein.

Dies kann ein Mensch sein oder auch etwas anderes, zum Beispiel ein Baum, ein Fluss, ein Berg oder auch ein Geschehnis.

 

Fragst Du mich nun, was mich an einem Baum, mit dem ich mich verbunden fühle, besonders beeindruckt,kann ich darauf   kaum eine Antwort geben: Ist es die Art, wie er seine Wurzeln tief in der Erde verankert und fest steht in jedem Sturmwind?

Sind es die Früchte, die er uns schenkt? Ist es der Schatten, den er Mensch und Tier spendet oder ist es der Sauerstoff, den er uns schenkt? … Ich denke, es ist alles, ER ist es! Das Grossartige an ihm ist das, was er in seiner Gesamtheit ist.

 Genau so war es bei diesen beiden Menschen.

 

Es ist ihre Art, ihr Wesen, welches für sich selbst spricht – mehr als jede Episode

 

Es sind Selvarajan Yesudian und Elisabeth Haich, so, wie sie in jedem Moment waren – herausragende Persönlichkeiten,

spirituell und in jeder Hinsicht echt. Sie haben Geistigkeit gelebt im Wirken für die Menschen, im Lehren, in der Beratung

und auch im Privatleben. Sie haben mich in jeder Hinsicht stark geprägt. Durch sie habe ich vieles für mein ganzes Leben gelernt.

Mit ihnen zu sein war einfach schön, herzlich, harmonisch.

Es war jedes Mal eine Begegnung mit zwei liebenswerten, hochgeistigen und gleichzeitig heiter-humorvollen Menschen.

Es war ein Verweilen mit Freunden, mit denen wir über alles sprechen konnten, mit denen wir ernste, tiefe Gespräche führen

und auch lachen konnten. Menschen, die uns verstanden und die wir verstanden.

 Wir sind beiden mit grosser Ehrerbietung und Wertschätzung begegnet. Jedes Zusammensein mit ihnen war für uns

ein grosses Erlebnis und dabei war nie auch nur die Spur von Gurutum oder etwas Ähnliches im Spiel.

 

Beeindruckt hat mich ihre Ernsthaftigkeit in spirituellen Dingen; die klare Art, wie Elisabeth Haich ihr Wissen weitergab

und die sanfte und feine Art, wie Selvarajan Yesudian seine geistigen Erkenntnisse vermittelte, ihre grosse Liebe und ihr Verständnis den Menschen gegenüber.

Ich empfand ihre ganze Art als ungemein liebevoll und trostvoll und ich weiss, dass der geistige Weg ihnen heilig war.

Ihren Humor und ihre Heiterkeit zeigten sie, wenn es passte, ebenso in der Fragestunde wie auch im privaten Beisammensein. Yesudian liebte Geschichten. Oft erzählte er kurze Weisheitsgeschichten über Buddha, Ramakrischna und Vivekananda.

Und manchmal kleidete er eine Lebensweisheit auch in eine fröhliche Anekdote oder einen Witz.

 

Selvarajan Yesudian und Elisabeth Haich waren für tausende von Menschen auf ihrem spirituellen Weg Vorbild und Inspiration doch niemals hatten oder hätten sie geduldet, dass ein Kult in irgendeiner Form um ihre Person gemacht worden wäre.

Als ein begeisterter Schüler einmal zu Yesudian sagte: „Oh mein Guru“ antwortete Yesudian lächelnd:

 

"Ja ich bin ein Guru – ein Känguru! Ich hüpfe wie ein Känguru durch die Schweiz:

Von Zürich nach St. Gallen, nach Bern und nach Ponte Tresa.“

 

So wies er auf seine feine Art jede Form von Verherrlichung zurück. So habe ich diese zwei Menschen

als meine Lehrer und Freunde kennen und hoch schätzen gelernt.

 

Die Botschaft, die Quintessenz, ihres Wirkens kann ich in wenigen Worten zusammenfassen: 

 

Foto Elisabeth Haich in der Yoga-Sommerschule in Ponte Tresa

 Elisabeth Haich sagte oft:

 

"Das Wichtigste, das wir in unserem Leben entwickeln müssen,

ist Unterscheidungsvermögen"

 

"Die stärkste Kraft im Menschen

ist die Vorstellungskraft, die 'Bild-schaffende Kraft' "

 

Und diese Erkenntnis kleidete sie in die Worte:

"Stell Dir die Wirklichkeit vor

und aus Deiner Vorstellung wird die Wirklichkeit werden!"

 

Selvarajan Yesudian drückte das Ziel des menschlichen Lebens und sein eigenes  Lebensmotto mit den Worten aus:

 

"Steh auf und sei frei!"

 

"Wenn Dein Körper vergeht, soll er in Arbeit vergehen

Das Göttliche in Dir und in anderen zu erwecken ist das Ziel"

 

Seine Haltung in Bezug auf diese innere Kraft und Freiheit war ganz klar:

 

"Mach Dich von nichts und niemandem abhängig!

 

Lass keinen anderen Meister zu als Deinen eigenen Meister in Deinem Innern!

 

Diesem Grundsatz sind Selvarajan Yesudian und Elisabeth Haich treu geblieben. Ich bin dankbar für die vielen Jahre, die ich in Verbindung mit diesen beiden Menschen sein durfte.

 

Foto Selvarajan Yesudian und Elisabeth Haich in der Yoga-Sommerschule, Ponte Tresa, Tessin

 

In einer Woche folgt der zweite Teil des Interviews mit der Frage

Was macht Yesudians Yogastil so besonders?